24/Mä
Robert Bichler
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Interview mit dem ABC-Star Ritchie Pettauer (datenschmutz)

Ritchie Pettauer gehört zu den Urgesteinen der österreichischen Blogosphäre. Bereits 1995 hat er seine erste Website online gestellt und seitdem hat sich sehr viel in seiner digitalen Welt getan. Er ist als Blogger und Online Marketing Berater tätig, gibt sein Wissen als Universitätslektor an der Universität Wien weiter und hält Vorträge, Workshops und Coachings zu allen Aspekten der Online-Kommunikation.

Ritchie leitet zwei Blog-Werkstätten bei der ABCstar: In seiner Blog-Werkstatt SEO leicht gemacht: Suchmaschinenoptimierung mit WordPress anno 2016 wirst du in die aktuell bedeutenden Ranking-Faktoren von Google eingeweiht und erfährst auf welche SEO-Plugins und -tools du auf keinen Fall verzichten solltest.
In seiner zweiten Werkstatt Werbung auf WordPress Blogs implementieren: Vom Codeschnipsel zum eigenen Adserver wirst du in unterschiedliche Werbeformen eingeführt, erfährst, wie ein Kundenreporting erstellt wird und worauf du bei der Performance achten solltest.

 

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Ritchie, wie ist die Idee zu Deinem Blog entstanden?

 

Ich habe mit 14 begonnen, als freiberuflicher Journalist beim Osttiroler Boten zu arbeiten und dann später in Wien für die Presse, sowie telepolis geschrieben, das Musikmagazin „the gap“ und medianexus.net mitgegründet, eine der ersten Online-Publikationsplattformen für wissenschaftliche Arbeiten. Meine erste Homepage hab ich ’95 ins Netz gestellt. Danach hab ich eine Weile ein bbPress Forum betrieben. Ursprünglich habe ich datenschmutz gestartet, um meine diversen journalistischen Texte zu sammeln. Dieser „Pressespiegel“ hat sich dann aber rasch verselbständigt, bis ich nach einigen Monaten auf Old Media gepfiffen und mich ganz aufs Bloggen konzentriert habe. Eine gute Entscheidung, wenn ich Print-Honorar von 95 mit denen von heute vergleiche…

 

Welche Kanäle nutzt Du im Internet und wie verdienst Du damit Geld?

 

Professionelle Blogger sind Kanalarbeiter. Grundsätzlich nutze ich alle Kanäle, die mir helfen, targetted traffic aufs Blog zu bekommen – da bin ich völlig undogmatisch und das ändert sich auch laufend. Im Zentrum steht natürlich mein Blog, dazu gehören diverse Social Media Präsenzen (FB, LinkedIn, G+, VK Pages, Twitter Account, Instagram, Youtube), ein Newsletter (via aweber) sowie der „tägliche Social Media Bote„, eine Branchenzeitung, die ich über die geniale Schweizer Plattform paper.li publiziere. Dazu kommt eine ganz Armada von Analyse-, Test- und SEO-Tools.

Mit diesen Aktivitäten verdiene ich auf direktem Weg nichts, eher im Gegenteil: Ich schalte immer wieder mal FB Ads und geb einiges für Analyse-, Management-Tools und so Zeugs aus. Irgendwelche Promotion-Postings für niedrige zweistellige Beträge zu verkaufen, ist mir erstens zu blöd und zweitens kontraproduktiv.

Um die Vermarktung des Blogs habe ich mich früher intensiver gekümmert, aber ich mag selber gern werbefreie Seiten und nutze jene Conversion-Tools, die funktionieren (manche sagen: die nervigen) ausschliefllich für meine eigene Lead-Generierung.

Ab und an schreibe ich einen bezahlten Beitrag, wenn’s thematisch gut passt, aber datenschmutz ist und bleibt für mich in erster Linie Experimental-Labor und Eigen-PR: Als Einzelunternehmer habe ich weder die Zeit noch die Ressourcen noch die Lust, mich ums Verkaufen meiner Dienstleistungen zu kümmern – neue Kunden bekomme ich fast ausschliefllich durch Empfehlung oder weil sie mein Blog kennen.

 

Welcher Social Media Kanal ist für Dich der Wichtigste und warum?

 

Zu Beginn war Twitter eine Goldgrube mit Clickraten von 20% auf so gut wie jeden Link. Dann wurde irgendwann Facebook relevanter, bevor Google+ seine Five Minutes of Traffic-Fame hatte. Derzeit verbringe ich mit weitem Abstand am meisten Zeit auf LinkedIn. Der Selektions-Algorithmus konveniert mir sehr, die Inhalte auf der Startseite sind immer spannend. Außerdem betreibe ich dort gemeinsam mit meiner Frau eine populäre Gruppe (OMÖ – Online Marketing Österreich Deutschland Schweiz) und habe in den letzten Monaten gemerkt, dass LinkedIns Unternehmensseiten ein recht mächtiges Werkzeug sind.

„Privat“ nutze ich Social Media überhaupt nicht, Privacy-Einstellungen halte ich für wertlos – vielleicht überlegt sich’s Facebook ja morgen anders. (Erinnert sich noch jemand an Zucks „Es wird nie Werbung im Feed geben“?) Natürlich kann sich niemand, der ständig beruflich auf Facebook unterwegs ist, dem Reiz eines gewissen Voyeurismus entziehen, aber selbst der nutzt sich im Lauf der Zeit ab. Und die neuen LikeSmileys oder Emoticons – oder wie immer die Dinger heißen – überfordern mich sowieso maßlos. Wie soll ein Mann zwischen sechs verschiedenen Gefühlen differenzieren können? *g* Wenn die Auswahl wenigstens aus „gefällt mir | missfällt mir | is ma wurscht“ bestünde, könnte man wenigstens Status-Update Duell spielen.

Im Übrigen beneide ich die Big Data Scientists, die diesem Konglomerat aus Emotion sinnvollen Input für den Filteralgorithmus entlocken müssen, ganz und gar nicht. Bisher konnte man noch einigermaßen nachvollziehen, nach welchen Kriterien gefiltert wird. Aber FB erreicht eine neue Dimension von Blackbox-Komplexität, deren Nützlichkeit ich bezweifle. Um Twitter steht’s gar nicht gut, G+ erfindet sich neu und keiner merkt’s, im Vergleich zu Xing wirken Tatort-Krimis spannend und dynamisch… hmmm. Snapchat hat wenigstens diesen Regenbogen-Kotze Effekt.

 

Wie siehst Du die Zukunft Deines Blogs bezüglich Monetarisierung und Inhalte?

 

In drei Tags: #glorreich #lehrreich #steinreich :) Aber im Ernst: WordPress ist schon per se ein abartig geniales Werkzeug. Und was sich in der letzten Zeit bei Premium-Plugins und Themes tut, ist hocherfreulich. WordPress macht mir genauso viel Spaß wie seinerzeit Lego Technik, ich mag die Bastlerei. Monetarisierung ist kein Prio-Thema für mich, aber generell möchte ich – um die Effizienz zu steigern und den Administrationsaufwand zu senken – auf langfristige Werbepartner setzen.

In punkto Inhalte konzentriere ich mich auf ausführliche Anleitungen/Tutorials, die nicht nur eine Woche lang interessant bleiben. Tagesaktuelle News publiziere ich im täglichen Social Media Boten, mein Blog sehe ich eher als Plattform für Longreads. Natürlich würde ich gern mehr (viel) schreiben, auch für mein Foodblog-Nebenprojekt. 8 Extrastunden pro Tag nur fürs Bloggen wären mein Wunsch an die gute Trackback-Fee.

 

Wenn Du einem/einer angehenden BloggerIn nur einen einzigen Tipp zum Start mitgeben dürftest – wie würde dieser lauten?

 

Vergiss strategisch angelegte Nischenprojekte und schreib über das, wofür du Feuer und Flamme bist. Sonst hältst du nie lange genug durch, bis sich Erfolge einstellen. Vernetze dich mit Gleich- und Andersgesinnten und lass dich von beiden inspirieren. Sonst findest du nie heraus, was deine Stärken und Alleinstellungsmerkmale sind. Lerne SEO, lies datenschmutz.

 

Ritchie, vielen Dank für die spannenden und detaillierten Antworten!

Robert Bichler

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